Bergheim

Willkommen im Stadtteil von Ortenberg in der Wetterau

Eine Kirche ohne Namen

Als Grundlage für diesen Artikel dient der Kirchenführer von John Stephen Porter aus dem Jahre 2014. Dessen Kirchenführer auch maßgeblich von Frau Ursula Wenzel und Herrn Jens Huber mitgestaltet wurde. Ich möchte bereits jetzt diesen Personen Danken, da sie hierfür die Vorarbeit geleistet haben.

Wie bereits in der Titelüberschrift zu erahnen möchte ich Euch einen kleinen Umriss unserer Kirche in Bergheim unterbreiten. Eine Antwort auf die Fragestellung des Titels habe ich leider nicht, aber vielleicht wird einer der kommenden Kirchenvorstände sich diesem Thema annehmen.

Anders als andere Kirchenbauten ist die Kirche von Anfang an ein protestantisches Bauwerk ohne je einen katholischen Einfluss unterlegen gewesen zu sein. Mit nun (im Jahre 2019) fast 300-jähriger Geschichte zählt dieses Bauwerk zu den neueren Kirchenbauten in der Region.

Einstmals gab es in Bergheim eine kleine Filialkirche, diese gehörte kirchenrechtlich zur Kirche in Bleichenbach. Diese Kirche, wohl aus dem 15. Jahrhundert, wurde über die Jahre baufällig und wohl auch zu klein. Ortenberg wurde dann Ende des 16. Jahrhunderts vorübergehend als Ort für den Kirchgang genutzt. Der Weg zu dem sonntäglichen Kirchgang war jedoch schwer, teilweise unmöglich. So wurde der Vorgängerbau unserer jetzigen Kirche in Bergheim abgebrochen und in den Jahren 1723 – 1725 ein neues Gotteshaus errichtet. Hier nun die Aufzeichnung aus dem Kirchenbuch von 1723:

„Es ist also den 27ten Juliy anno 1723 im Nahmnen des Dreyeinigen Gottes der Grundstein zu dieser Kirchen durch den Hanauischen Amtmann zu Ortenberg S. T. Herr Johann Reinhard Langermann gelegt worden. Der Grundstein war viereckig worauf dies Schrift eingehauen:

Anno MDCCXXIII (M = 1000, DCC = 700, XX = 20, III = 3; 1723) den 27. Juliy in der Hochlöblichen Regierung des Hochgeborenen Graffens und Herren, Herrn Johann Reinharden ist dieser Stein zu dieser Evangelischen Lutherischen Kirchen gelegt, und mit Erbauung derselben in Gottes Nahmen der Anfang gemacht worden.“

Die Einweihung erfolgte im Jahre 1724 und zwar am 3. Sonntag im September, dies wäre der 17.09.1724 gewesen. Aber erst im Jahre 1725 waren alle Arbeiten erledigt.

Das Kirchenschiff und der Chorraum haben eine Breite von 9,90 m und eine Länge von 16,50 m. Die Höhe des Gotteshauses inkl. dem Turm und dem Turmkreuz von 1896 misst 22,50 m.

Unsere Orgel wurde nach Verzögerungen erst 1826 eingebaut. Bekannt ist, dass ein Orgelbauer Namens Bürgy dieses Instrument geschaffen hat. Ich vermute hier, dass es sich um Herrn Johann Georg Bürgy (25. Juli 1771 – 27. Oktober 1841) handelt. Das äußere Erscheinungsbild, also das Prospekt sowie das Gehäuse der Orgel ist jedoch das einzige was noch aus der Werkstatt Bürgy´s stammt. Das Herzstück wurde um 1900 mehrfach repariert und im Jahre 1972 erfolgte ein Neubau im Inneren der Orgel. Die Firma Förster & Nicolaus führten die Arbeiten aus.

Was wäre eine Kirche ohne Glocken? In unseren Glockenstuhl befinden sich 3 Glocken. Die älteste und kleinste, auch Totenglocke genannt stammt aus dem Jahre 1837. Sie trägt als Inschrift den Namen des damaligen Bürgermeisters und der Ortsvorstände und hat ein Gewicht von 95 kg. Sobald die Küsterin Kenntnis vom Tod eines Dorfbewohners hat wird diese Glocke zu untypischer Zeit (10 vor oder 10 nach) geläutet. Im Zuge des 2. Weltkrieges wurden auch in Bergheim die mittlere und die größte Glocke zur „Metallspende des Deutschen Volkes“ beschlagnahmt. Alle Glocken wurden und werden aus Bronze gefertigt, welche auch in der Rüstungsindustrie benötigt wird. Im Jahre 1950 wurde diese Glocken ersetzt und am Palmsonntag geweiht. Die große Glocke hat ein Gewicht von 340 kg und ist mit der Inschrift versehen: „Des Herrn Wort lebt in Ewigkeit“ Mit 200 kg bildet die zweite Glocke die Mitte des Geläutes. Ihr Aufschrift lautet: „Haltet an am Gebet“. Seit 1968 treibt eine elektrische Läutemaschine unsere Glocken an. Die Steuerung erfolgt mittels einer mechanischen Steuerung. Im Jahre 2019 wurde eine Reparatur fällig, die diese Steuerung verschlissen war. Nun erfolgt die Regelung durch einen elektronischen Mikrocomputer. Die Kosten hierfür belaufen sich auf ca. 4250,- €.

Mehr Informationen sind im Kirchenführer zu finden, dieser liegt in unserer Kirche aus und kann für einen kleinen Betrag erworben werden.


Die Linde an unserer Kirche

Die Winterlinde, botanisch Tilia cordata, ist in Europa ein heimisches Gewächs. Sie entstammt aus der Familie der Malvengewächse. Für Laien ist es nahezu unmöglich den Unterschied zwischen Winterlinde und Sommerlinde zu erkennen. Als wichtigstes Unterscheidungsmerkmal gelten die Blätter. Bei der Sommerlinde sind diese auf Blattober- und Unterseite behaart. Aber egal, beide Bäume werfen Ihr Laub im Herbst ab.

Pflanzen, zu denen auch Bäume gehören, haben meist eine Bedeutung. Sie sind Sinnbild, Andenken und man schreibt ihnen besondere Fähigkeiten zu. Linden sind in unserer mitteleuropäischen Kultur nicht zu missachten. Die Linde hat durch ihre Herzförmigen Blätter eine beruhigende Wirkung, sie ist Sinnbild für Geborgenheit und Sicherheit. Sie gilt als Liebesbaum, man kann die Anfangsbuchstaben der Verliebten in die weiche Rinde schnitzen. Die Herzblätter symbolisieren Liebe und Zuneigung. Wir habe ja alle schon Liebesbriefe geschrieben und darauf Herzen gezeichnet. Im Keltentum ist sie der Göttin Freija gewidmet, sie steht für Feuer und Frieden.

Linden gehören zu den Dörfern, auch bei uns. Sie ist Sinnbild für die Gemeinschaft, sie ist der Baum des Volkes. Bekannt ist die Linde auch als Tanzbaum, hier trafen sich früher die jungen Leute, um zu feiern. Als Gerichtslinde findet dieser Baum seit jeher seine Bestimmung, unter ihr wurde Recht gesprochen. Heute ergehen Urteile im Namen des Volkes, im Mittelalter wo noch auf Latein Urteile niedergeschrieben wurden hieß es „judicum sub tilia“ „Richter unter der Linde“.

Neben diesen Bedeutungen hat die Linde jedoch auch eine weitere Funktion. Sind wurde und wird gerne als Gedenkbaum gepflanzt. Auf Friedhöfen, an Ehrenmahlen oder als Friedenslinden wie hier bei uns in Bergheim. Die Lindengruppe an der Neuen Schulstraße gegenüber dem Anwesen Mänche ist hierfür ein Beweis, sie sollen nach Ende des Deutsch Französischen Krieg 1870/71 gepflanzt worden sein.

Ich möchte jedoch jetzt auf unsere Linde an der Kirche in Bergheim erinnern. Ich weiß nicht ob sie eine Tanzlinde, Gerichtslinde oder eine Gedenklinde ist. Vielleicht ist es auch eine Gerlinde und Dicklinde.

Wir haben heute den 14.01.2019. Für unsere Linde an der Kirche ist die untere Naturschutzbehörde zuständig. Die Linde, mit einen Stammumfang von 330 cm und einer Höhe von 20 – 25 m, ist nicht mehr standsicher. Im unteren Stammbereich sind Faulstellen, sie neigt daher umzukippen. Daher hat sich die unter Naturschutzbehörde entschieden unsere Linde zu fällen:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

die Linde an der Kirche in Bergheim ist als Naturdenkmal ausgewiesen. Bei solchen Ausweisungen trägt der Wetteraukreis die Verantwortung für die Verkehrssicherheit der Naturdenkmal-Bäume.

Nach unseren halbjährlichen Kontrollen und nach Hinweis Ihrer Gartenfachfirma haben wir den Baum kürzlich einer Begutachtung durch ein Baumstatik-Büro unterzogen.

Da zur Zeit Kippgefahr besteht und starke Schädigungen im unteren Stammbereich festzustellen waren, kann der Baum mittelfristig nicht mehr in seinem prägenden Zustand erhalten werden. Wir haben uns daher zu einer Fällung des Baumes entschlossen und werden den Auftrag dafür an die Fa. Rahmann aus Frankfurt vergeben.“

Nach meinen Erkenntnissen hat die Linde ein Alter von ca. 230 – 250 Jahren. Im Hinblick, dass unsere Kirche im Jahre 2024 ihre 300jährige Weihe feiert ist es denkbar, dass dieser Baum zum 50. Jahrestag gepflanzt wurde.

Der Kirchenvorstand von Bergheim beabsichtigt daher eine neue Linde im Kirchgarten unserer Gemeinde zu pflanzen.

Ich möchte diesen Artikel mit dem Text beenden mit der uns Ulrike Langlitz über die Fällung informiert hat:

„jetzt ist es soweit…. unsere Linde an der Bergheimer Kirche wird gefällt! Da wird uns was fehlen!!

Liebe Grüße Ulrike Langlitz“